INCI lesen: Kosmetik-Inhaltsstoffe bei empfindlicher Haut
Kurz gesagt: Kosmetik nennt ihre Inhaltsstoffe mit INCI-Namen in absteigender Menge. Nach der EU-Kosmetikverordnung müssen bestimmte Duftstoffallergene einzeln angegeben werden, wenn sie gesetzliche Schwellen überschreiten; „Parfum“ allein verrät nicht, welche Duftstoffe enthalten sind. Auch Nussöle, Weizen- oder Milchproteine können unter lateinischen INCI-Namen stehen.
Brennen, Rötung, Juckreiz nach einer neuen Creme: Wer empfindliche Haut oder ein Kontaktekzem hat, kennt das. Die gute Nachricht: In der EU steht auf jeder Kosmetikverpackung eine vollständige Inhaltsstoffliste. Die schlechte: Sie ist in Fachsprache geschrieben. Hier erfahren Sie, wie Sie die INCI-Liste lesen.
Was die EU-Kosmetikverordnung vorschreibt
Nach Art. 19 der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 müssen alle Inhaltsstoffe auf der Verpackung stehen, und zwar:
- mit ihrem INCI-Namen (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients), meist lateinisch oder englisch,
- in absteigender Reihenfolge nach Gewichtsanteil,
- Inhaltsstoffe unter 1 % dürfen in beliebiger Reihenfolge am Ende stehen,
- Farbstoffe werden mit ihrer CI-Nummer angegeben (z. B. CI 77891 für Titandioxid).
Die INCI-Namen sind in der ganzen EU gleich. Das hilft auf Reisen: Ein Inhaltsstoff, den Sie meiden, heißt in Italien genauso wie in Deutschland.
Duftstoffe: „Parfum" und die Allergene
„Parfum" (oder „Aroma") steht für eine Mischung vieler Duftstoffe, die nicht einzeln genannt werden müssen. Ausnahme: Bestimmte allergene Duftstoffe aus Anhang III müssen zusätzlich namentlich aufgeführt werden, wenn sie
- in Produkten, die auf der Haut bleiben (Cremes, Deos), 0,001 % überschreiten, oder
- in Produkten, die abgespült werden (Shampoo, Duschgel), 0,01 % überschreiten.
Bekannte Beispiele sind Linalool, Limonene, Citronellol, Geraniol, Eugenol, Coumarin und Cinnamal. Mit der Verordnung (EU) 2023/1545 wurde diese Liste deutlich erweitert. Neue Produkte müssen die erweiterte Kennzeichnung ab 31. Juli 2026 tragen, für bereits im Handel befindliche Produkte gilt eine Übergangsfrist bis 31. Juli 2028. Sie werden deshalb in den nächsten Jahren mehr Duftstoffnamen auf den Etiketten sehen.
Wer eine nachgewiesene Duftstoffallergie hat, greift oft zu Produkten ohne „Parfum". Achten Sie aber darauf, dass auch ätherische Öle (zum Beispiel Lavandula Angustifolia Oil) Duftstoffallergene enthalten können.
Lebensmittelallergene in Kosmetik
Anders als bei Lebensmitteln werden Allergene in Kosmetik nicht hervorgehoben. Bei Lebensmittelallergien lohnt sich deshalb ein Blick auf die INCI-Liste:
| INCI-Name | Ursprung |
|---|---|
| Arachis Hypogaea Oil | Erdnussöl |
| Prunus Amygdalus Dulcis Oil | Süßmandelöl |
| Corylus Avellana Seed Oil | Haselnussöl |
| Juglans Regia Seed Oil | Walnussöl |
| Macadamia Ternifolia Seed Oil | Macadamiaöl |
| Triticum Vulgare Germ Oil, Hydrolyzed Wheat Protein | Weizen |
| Avena Sativa Kernel Flour | Hafer |
| Glycine Soja Oil | Soja |
| Sesamum Indicum Seed Oil | Sesam |
| Lac, Milk Protein, Lactis Proteinum | Milch |
Ob Hautkontakt mit diesen Stoffen für Sie ein Problem ist, hängt von Ihrer Allergie ab. Bei Kindern mit Lebensmittelallergie und Neurodermitis sprechen Sie das Thema mit der Kinderärztin oder dem Dermatologen an.
Konservierungsstoffe und andere häufige Auslöser
Einige Stoffe sind als Kontaktallergene bekannt und wurden in den letzten Jahren strenger geregelt:
- Methylisothiazolinone (MI): in Produkten, die auf der Haut bleiben, seit 2017 nicht mehr erlaubt; in abgespülten Produkten nur in geringer Konzentration.
- Formaldehydabspalter wie DMDM Hydantoin oder Imidazolidinyl Urea: Produkte, die Formaldehyd über einer bestimmten Schwelle freisetzen, müssen inzwischen einen Warnhinweis tragen.
- Duftstoffe, siehe oben.
Welcher Stoff Ihnen schadet, lässt sich am zuverlässigsten mit einem Epikutantest (Pflastertest) bei der Dermatologin oder dem Dermatologen klären. Ohne Diagnose besteht die Gefahr, viele Produkte unnötig zu meiden und den eigentlichen Auslöser zu übersehen.
Begriffe auf der Vorderseite
- „Hypoallergen" heißt nicht allergenfrei, sondern dass bei der Rezeptur auf ein geringes Allergierisiko geachtet wurde.
- „Dermatologisch getestet" sagt nichts darüber, wie getestet wurde oder mit welchem Ergebnis.
- „Ohne Parfum" schließt Duftstoffe aus ätherischen Ölen nicht immer aus. Lesen Sie die INCI-Liste.
Schwangerschaft und Stillzeit
Ob bestimmte Wirkstoffe in Pflegeprodukten in der Schwangerschaft geeignet sind, klären Sie bitte mit Ihrer Frauenärztin, Ihrem Frauenarzt oder in der Apotheke.
Neue Produkte vorsichtig einführen
Hautärztinnen und Hautärzte empfehlen bei empfindlicher Haut oft, neue Pflegeprodukte einzeln und nacheinander einzuführen, damit sich eine Reaktion einem Produkt zuordnen lässt. Notieren Sie, welches Produkt Sie wann begonnen haben. Treten Rötung, Brennen oder Juckreiz auf, setzen Sie das Produkt ab und lassen Sie sich bei anhaltenden Beschwerden beraten.
So hilft IngrediLens
IngrediLens scannt nicht nur Lebensmittel, sondern auch Kosmetiketiketten. Die App markiert in der INCI-Liste die Stoffe, die Sie meiden möchten, etwa Duftstoffallergene, bestimmte Konservierungsstoffe oder pflanzliche Öle aus Nüssen und Erdnüssen. Mit Premium legen Sie eine Liste mit Produkten an, die Sie gut vertragen, und führen ein Reaktionstagebuch, das Sie zum Hautarzttermin mitnehmen können. Die Daten bleiben auf dem Gerät. IngrediLens ist kein Medizinprodukt und kann etwas übersehen: Lesen Sie die Verpackung immer selbst.
Etiketten mit IngrediLens prüfen
Halte die iPhone-Kamera auf die Zutatenliste und IngrediLens markiert deine gewählten Allergene und „Kann … enthalten“-Hinweise. Kostenlos starten, kein Konto, deine Daten bleiben auf dem Gerät.
Im App Store ladenHäufige Fragen
Was bedeutet INCI?
International Nomenclature of Cosmetic Ingredients. In der EU müssen alle Inhaltsstoffe mit diesen einheitlichen Namen in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils angegeben werden.
Was steckt hinter „Parfum“ in der Liste?
Eine Mischung von Duftstoffen. Bestimmte allergene Duftstoffe müssen ab einer Mindestkonzentration zusätzlich einzeln genannt werden, etwa Linalool oder Limonene.
Heißt „hypoallergen“, dass ein Produkt keine Allergie auslöst?
Nein. Der Begriff besagt nur, dass das Produkt so formuliert wurde, dass das Allergierisiko möglichst gering ist. Eine Garantie ist das nicht.
Kann Kosmetik Lebensmittelallergene enthalten?
Ja, zum Beispiel Erdnussöl (Arachis Hypogaea Oil), Mandelöl (Prunus Amygdalus Dulcis Oil) oder Weizenprotein (Hydrolyzed Wheat Protein). Sie werden aber nicht hervorgehoben.